master of architecture
Acht Jahre verbrachte der aus der Weststeiermark stammende Architekt Christoph Kapeller in Alexandria, wo die größte Bibliothek Ägyptens unter seiner Leitung erbaut wurde.
Der gebürtige Deutschlandsberger Christoph Kapeller hat in seinem Beruf all das erreicht, wovon viele andere Architekten ein Leben lang träumen. Mitten in Alexandria, der Wiege der Architektur, schuf er einen Bau, der mit keinem anderen vergleichbar ist - die neue Bibliotheca Alexandria.
Vor zwölf Jahren beschloss Ing. Christoph Kapeller gemeinsam mit vier weiteren Architekten, sich an einem Architektur Wettbewerb zu beteiligen. Zu planen galt es die neue Bibliothek in Alexandria. Sechs Wochen lang entwarfen, zeichneten, korrigierten und tüftelten die Fünf in einem Büro in Los Angeles an dieser Aufgabe. Der Preis für die Mühe war wohl der schönste Gewinn ihrer beruflichen Laufbahn. Die Bibliotheca Alexandria, mit einem Durchmesser von rund 160 m, einer Nutzungsfläche von 85.000 m2 und einem Kostenpunkt von rund 220 Millionen USD gehörte ihnen.
„Der besondere Reiz an diesem Bau, lag für mich darin, in einem Land, das sich selbst erst entwickelt, eine moderne Bibliothek mit allem Komfort zu planen.
Nachdem der Vertrag mit der Ägyptischen Regierung unterzeichnet und die Planungen soweit abgeschlossen waren, konnte 1996 mit dem Bau begonnen werden. Der zur damaligen Zeit in Oslo, der Hauptstadt Norwegens sesshafte Christoph Kapeller packte seinen Koffer, nahm seine aus Amerika stammende Frau mit und zog für acht Jahre in ein Land, in dem Menschen, die mental in verschiedenen Jahrtausenden angesiedelt sind, Tür an Tür leben.
Über acht Jahre hinweg, je sechs Tage in der Woche verbrachte der Architekt damit, sein größtes Werk vom Modell in die Realität umzusetzen. Am 23. April 2002 ist es nun soweit. An diesem, für Christoph Kapeller besonderen Tag, wird seine Bibliotheca Alexandria den Bewohnern der Stadt offiziell übergeben. „Von der Bevölkerung wurde der Bau der Bibliothek zu jeder Zeit positiv aufgenommen. Sie sind stolz darauf, nachdem Alexandria im Altertum ja einst die berühmteste Bibliothek beherbergte, heute wieder die größte Ägyptens zu besitzen. Sie sehen in der Bibliothek ein Wahrzeichen dafür, was Alexandria einst war, nämlich der geistige Mittelpunkt der hellenistischen Zeit.“
Weil es für Kapeller in Ägypten nun nichts mehr zu tun gibt, wohnt er wieder in Norwegen und ist ständig dabei, sich neue Herausforderungen und Aufgaben zu suchen.
„Neben der Planung der neuen Oper in Olso und dem Turner Museum in England, ist es mein größtes persönliches Ziel, mich mit einem Büro in der Steiermark ansässig zu machen und meine Kontakte nach Amerika auszubauen.“ Nach großen öffentlichen Bauten wie Bibliotheken und Museen versucht der Master of Architecture nun vor allem neue Wege im städtischen Wohnbau zu gehen. Über seine Auftragslage muss sich der sympathische Weststeirer für den Rest seines Lebens kein Kopfzerbrechen mehr machen. Als Architekt findet er sowohl national als auch international höchste Anerkennung.
Bianca Waltl
Fotos: B. Waltl, Gerald Zugmann