Akte in Aquarell
Der südsteirische Maler Werner Uhl hat seinen Weg scheinbar gefunden. Es ist ein Weg, der ihn unverwechselbar macht.
Seine Leidenschaft für die Aquarellmalerei ist für Werner Uhl nicht nur die Wiedergabe seiner Emotionen mit Pinsel und Farbe, sondern hat Erzählkraft. Spannend muss diese sein, mit einer Geschichte dahinter, die beim Betrachter Empfindungen weckt, die mitunter ganz tief ins Herz hinein gehen. Reg.-Rat Werner Uhl wurde 1941 in der Weststeiermark geboren, lebt und arbeitet heute in Leibnitz. Er war einst Lehrer und Direktor der Hauptschule Wolfsberg, Kunsterzieher am BG und BRG Leibnitz, Bezirksschulinspektor sowie Kulturreferent und Vizebürgermeister der Stadt Leibnitz. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er bei Prof. H. Wenning, Prof. Adolf A. Osterider, August Trummer, Gerhard Almbauer, Prof. G. Gschwendtner und Prof. Heribert Mader. Am Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit beschäftigte sich Werner Uhl mit Grafik, Öl- und Acryltechniken, ehe er sich ganz der Aquarellmalerei verschrieb. „Auch wenn ein Aquarell, wenn es großzügig und abstrahiert angelegt ist, in wenigen Stunden entstehen kann, braucht ein Maler jahrelange Erfahrung, bis er diese Technik perfekt beherrscht“, sagt Werner Uhl. „Diese erfordert viel Geduld, denn immer wieder muss die Farbe antrocknen, das Papier darf sich nicht wellen, eine Korrektur der Pinselstriche, der Farbsättigung im nachhinein ist nicht möglich.“ Jedes Aquarell ist daher ein Original, das nicht kopiert werden kann. Mit seinen Motiven nähert sich Werner Uhl in seinen früheren Schaffensphasen ständig Themen wie Landschaft, Stadtbild oder Stilleben. Hier offenbaren sich seine Stärken vor allem in der spontanen Umsetzung seiner Eindrücke, die er vor allem in der reizvollen Landschaft der Südsteiermark vorfindet. Er nimmt wahr was er sieht, bevorzugt die klassisch-naturalistische Tradition der Darstellung. Im Laufe der neunziger Jahre verfeinert Werner Uhl nicht nur seine Technik, sondern variiert auch seinen Malstil. Damit vollzieht er einen deutlichen Übergang zu neuen Sichtweisen und Perspektiven. Konsequent geht der Maler dabei seinen künstlerischen Weg, setzt ebenso kräftig-dynamische wie filigran-zarte Pinselstriche und bedient sich gleichermaßen kühler Blau- und Grüntöne oder solcher aus der warmen, komplementären roten Farbskala. In den vergangenen Jahren entdeckte Werner Uhl die Aktmalerei. Mit ihr wird man eingeladen, von einer Malkultur in die andere umzusteigen, ohne dabei Vergangenheit und Gegenwart als trennendes Element zu empfinden. An seinen neuen Motiven wächst Werner Uhl künstlerisch, seine handwerklichen Qualitäten treten stärker in den Vordergrund als in seinen ursprünglichen Werken. Mit seinen Aktdarstellungen vermittelt er Authentizität und künstlerischen Ernst, er kokettiert dabei aber durchaus mit erotischen Ansichten, ohne ins Banale, ins Anstößliche abzugleiten. Werner Uhl hat seinen Weg scheinbar gefunden, einen Weg, der ihn unverwechselbar macht. Text: Henry Sams
Schloss Retzhof, Ausstellung bis 31. Dezember: Kunst und Poesie der Leidenschaft, Akte in Aquarell von Werner Uhl.