Charmeure in Rot
Die schönsten Weingüter: box-Redakteur Henry Sams besuchte diesmal das
Weingut Tauss.
Fotos: Symbolpictures
Der südsteirische Winzer Roland Tauss hat sich aufgemacht, gemeinsam mit seiner Frau Alice die Rotweinwelt zu erobern. Auf mehr als die Hälfte ihrer Rebflächen wurzeln bereits Sorten wie Blaufränkisch, Merlot und Cabernet Sauvignon. Kein Zweigelt, kein Pinot Noir oder Blauer Wildbacher. Mit der konsequenten Rotweinphilosophie stößt Roland Tauss bei manchen Kollegen auf Unverständnis, denn viele von ihnen glauben nicht, dass sich in der Südsteiermark die eingangs erwähnten roten Rebsorten wirklich optimal entwickeln können. Doch Roland Tauss hat sich längst durchgesetzt – gegen alle Kritiker. Seine Weine sind anerkannte Botschafter höchster Rotweinkultur. Die Herzensangelegenheit des innovativen Winzers entpuppt sich bei genauem Hinsehen als Folge einer bedingungslosen Strategie, in der die punktgenaue Weingartenarbeit und der Einsatz zeitgemäßer Kellertechnologie die Grundpfeiler seiner erfolgreichen Arbeit bilden. Damit die gewünschte Zielrichtung ständig eingehalten werden kann, setzt Tauss alles daran, dass das Anforderungsprofil all seiner Weine permanent auf höchstem Niveau gehalten wird. Die Umsetzung dafür beginnt im Weingarten. „Wir halten den Ertrag sehr niedrig, das beginnt bereits beim Rebschnitt.“ Und so rückt der Winzer zu Jahresbeginn jeder Rebe mit der Schere zu Leibe und kappt unnütze Triebe. So werden die Nährstoffreserven in Stamm und Wurzel auf wenige
Baustellen verteilt. Das ist vor allem in kühleren Gegenden wie in Schloßberg von großer Bedeutung. Die spätere Qualität der Weine bestimmen aber im wesentlichen Boden und Klima der Weinberge, kurzum das Terroir: „Uns stehen acht Hektar Top-flächen in Kessellagen mit Ausrichtung nach Süden in der Ried Hohenegg zur Verfügung.“ Der karge Boden in einer Seehöhe von 380 bis 460 Meter wird zur ständigen Herausforderung für die bis zu 50 Jahre alten Rebstöcke und treibt ihre Wurzeln auf der Suche nach Nährstoffen tief in den Boden. Das Ergebnis findet man in der bilderbuchartigen Mineralik der
Tauss-Weine. Eines haben sie noch gemeinsam: Sie alle reifen in Barriques und erreichen ihre wahre Größe erst durch eine 18 bis 20 Monate lange Lagerung in diesen kleinen Fässern. Doch sie schmecken nie zu holzbetont.
Unabhängig von den Stärken oder Schwächen einzelner Jahrgänge ist ein größtmögliches Alterungspoten-zial der Weine ein erklärtes Ziel von Roland Tauss. Er ist auch kein Weinmacher im klassischen Stil, daher bestimmt er grundsätzlich nichts, um seine Weine in eine bestimmte Stilrichtung zu zwingen. Im Gegenteil: Tauss tut alles, um den originären Charakter seiner Lagen im Wein hervorzuheben. „Ich will meinen Weinen nicht die Identität nehmen.“ Er arbeitet wieder mehr mit Naturhefen und wer glaubt, dass er Apparaturen verwendet, um möglichst viel Extrakt aus den Beerenhäuten herauszufoltern oder um den Most zu konzentrieren liegt völlig falsch. „Moderne Technik allein macht noch lange keinen guten Wein.“
Neuer Weinkeller. Der Großteil der Rotweine wird reinsortig gefüllt, ein Teil des Ganzen wird als „Cuvée Hohenegg“ vinifiziert. Die Weißweinpalette baut Roland Tauss ebenfalls im Holz aus – großteils in gebrauchten Fässern: „Ich will einfach Weine keltern, die länger leben.“ Seit dem Frühjahr 2004 steht dem umtriebigen Weinbauern nun ein neuer Weinkeller zur Verfügung, der zum Vermittler unterschiedlichster Professionen wird. Er inszeniert einerseits einen spannenden Dialog zwischen der Substanz des verbliebenen 450 Jahre alten Weinkellers, andererseits trägt er oberhalb neue, geschmackvoll eingerichtete Gästezimmer, die dem Weingut jetzt einen mediterran-romantischen Charme verleihen.
