Weingut Sattlerhof
Zeitgemäße Architektur erobert die Weinwelt. Box-Redakteur Henry Sams besuchte den Sattlerhof in Gamlitz
Im Land der großen Weine gehören auch die Weinkeller zum Showbiz und der Sattlerhof in Gamlitz ist wie geschaffen für einen spektakulären Auftritt. Und das in zweierlei Hinsicht, bietet er doch viele Wege zum Genuss. Zum einen mit dem Zwei-Hauben-Restaurant und Genießerhotel von Hannes und Gabi, zum anderen mit dem Weingut von Willi und Maria Sattler.
Die zwei Familien arbeiten auf höchstem Niveau und die beiden Brüder lernten das von ihrem Vater, der beizeiten das Image des Betriebes kultiviert hat. Wilhelm Sattler war einer der Pioniere, der bereits in den siebziger Jahren seine Weine klassisch-trocken ausbaute und so Wegbereiter einer neuen Ära im steirischen Weinbau wurde. Dem Qualitätsdenken und dem Erbe des Vaters fühlt sich Willi Sattler nach wie vor verpflichtet, wenngleich heute andere Maßstäbe gelten als einst. So keltert der vierfache Familienvater nicht nur „Steirische-Klassik“-Weine, die er mit einem Maximum an Fruchtigkeit und Frische in die Flasche zieht, seine Königsdisziplin ist ein voluminöser, reifer Weintyp, der immer eine große Zukunft vor sich hat. Solche Weine werden im Sattlerhof lagenrein ausgebaut, nach der Gärung einem biologischen Säureabbau unterzogen und in Barriques oder im großen Holzfass ausgebaut.
Die hohe Qualität der Weine erfordert aber nicht nur physiologisch perfekt ausgereifte Trauben, sondern auch ein dementsprechendes Know-How und Feeling des Weinbauern. Willi Sattler besitzt beides. Ein Faktum, das zu einer besonders hohen Motivation aller Mitarbeiter beiträgt und den unbedingten Willen fördert, immer etwas weiter zu bringen. Das zeigt auch der neue Weinkeller, das jüngste innovative Herzstück am Sattlerhof. Die Architektur bildet die perfekte Synthese aus klassischer und moderner Baukultur, die in Verbindung mit zeitgemäßen, realistischen Tendenzen immer noch mit vergangenen Idealen kokettiert.
„Ein tradionelles Haus mit modernem Interieur“, so Architekt DI Abel. Bis zur Feuerprobe mit dem Jahrgang 2001, der ersten Ernte im neuen Weinkeller, gingen zwei Jahre intensiver Planung und eine Bauphase voran, die es im wahrsten Sinne des Wortes in sich hatte. Ein ganzer Berg wurde abgetragen, rund 15.000 Kubikmeter, der tiefste Punkt erreichte 22 Meter. Die Erdschichten schienen dabei unüberwindbar, es musste gesprengt werden. Und das in einem Bereich, der unmittelbar an das Restaurant grenzte. „Die Statiker hatten bereits die Nerven weggeschmissen, die bauausführende Firma Pichler rettete das Bauprojekt mit ihrer Erfahrung und Routine.“ 131.000 kg Bewehrungsstahl wurden insgesamt eingebaut, 1483 m3 Beton verbaut, der ganze Neubau nach ökologichen Gesichtspunkten errichtet und dabei eine effektive Wärmerückgewinnung mit berücksichtigt.
Der Edelstahl- und Barriquekeller sind voneinander getrennt und der Winzer lobt vor allem die Funktionalität der gesamten Neuanlage. Man ist fasziniert von der Verbindung High-Tech und Naturkräfte, vom Spiel der Formen, man entdeckt mitunter stille Winkel, pittoreske Ansichten und schätzt umso mehr die hohe Qualität der Sattler-Weine. Die verbindet am nachhaltigsten.
Henry Sams
Fotos: Lantschbauer
