Wein-Bastion

Die schönsten Weingüter: box-Redakteur Henry Sams besuchte diesmal das Weingut Jaunegg in Eichberg-Trautenburg.

Fotos: IGOR SKACEL, Sakra (1)

 

Emotional und funktional, überzeugend und spektakulär – in Sichtnähe zum elterlichen Stammhaus hat Daniel Jaunegg ein neues Weingut in die hügelige Landschaft von Eichberg-Trautenburg gesetzt. Der Anblick ist atemberaubend und um dieses Projekt zu realisieren war wohl viel Mut notwendig – vom Bauherren, vom Architekten und von den zuständigen Behörden, die letztendlich die Genehmigung für ein solches Gebäude inmitten des Naturparks Südsteirisches Weinland erteilten. Für manche Betrachter stellt sich wahrscheinlich auch die Frage, wie weit man durch gestaltende Eingriffe – wie beim Neubau dieses Weingutes – nicht nur die Umwelt sondern auch das Bewusstsein unserer Gesellschaft für moderne Architektur verändern kann. Dem jungen Weinmacher Daniel Jaunegg ging es in erster Linie um die Funktionalität des Objektes, dem planenden Architekten Dipl.-Ing. Igor Skacel zusätzlich um zeitgemäße Authentizität. Und in beiden Fällen wohl auch darum, etwas zu gestalten und zu bauen, was es vorher in diesem Landstrich noch nicht gab.

Entstanden ist ein lichtdurchflutetes Domizil für den steirischen Wein, das zum einen im dramatischen Kontrast zur Landschaft steht, zum anderen den Eindruck eines kompakten Weingutes vermittelt, das einen effizienten und effektiven Produktionsprozess ermöglicht. Von der ersten Planung an hatte man immer eine „Philosophie der kurzen Arbeitswege" im Kopf. Realisiert wurde daher ein dialogisch orientierter, in zwei Teile gegliederter Neubau, in dem Jaunegg 2004 die erste Ernte verarbeitete. Der untere Weinkellerbereich wächst dabei symbolisch aus dem Hang heraus und geht dadurch eine intensive Kommunikation mit der vorhandenen Natur ein. Auf den unteren Block „aufgesetzt" ist der obere Bereich, der für eine unkomplizierte Anlieferung und Erstverarbeitung der Trauben bei der Lese sorgt. Natur und Avantgarde – der obere Teil hat noch etwas Besonderes zu bieten: einen nach Süden ausgerichteten, verglasten Raum, eine Art „Logenplatz mit Aussicht", der seinem Namen angesichts der malerischen Umgebung voll gerecht wird.

Das duale Prinzip dieses spannenden Bauwerks setzt sich auch in der Gestaltung der Aussenfassade fort: unten ist sie rau, oben glatt. Konkret bedeutet das: Während die glatte, golden schimmernde obere Fassade für faszinierende (Sonnen-)Lichtspiele bei Tag sorgt – „vergleichbar mit einem Glas Weisswein", so Daniel Jaunegg – und atemberaubende Reflexionen bei Nacht erzeugt, steht die untere Fassade mit ihren erdigen Farben für die Naturverbundenheit des jungen Winzers und der Unverfälschtheit seiner Weine. Diese stießen in unglaublicher kurzer Zeit in den österreichischen Weinolymp empor und bescherten Daniel Jaunegg eine Reihe von begehrten Auszeichnungen: Steirischer Newcomer des Jahres 2005, höchstes Ranking bei der Bewertung der 30 besten Winzer des Jahres 2005 von NEWS, nationale und internationale Auszeichnungen durch anerkannte Fachmagazine. Im Weingut Jaunegg vlg. Koglmuri stehen derzeit acht Hektar Weingärten im Ertrag, zusätzlich werden Trauben angekauft. Die zwei herausragenden Lagen Knily und Muri befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Weingut.

Während sich Johanna Jaunegg, die Mutter des jungen Weinbau- und Kellermeisters, um die Buschenschank kümmert, schaut Vater Johann in den Weinbergen nach dem rechten. Daniel Jaunegg selbst arbeitet seit 2002 zu 100% eigenverantwortlich im Keller. In der Stilistik seiner großteils Weißweine bleibt er vor allem der steirischen Klassik-Linie treu verbunden und versucht, die Stärken des Terroirs der bis 550 Meter Seehöhe gelegenen Rebflächen in seinen Weinen auf höchstem Niveau herauszuarbeiten. Und das gelingt Daniel Jaunegg offenbar perfekt.

www.jaunegg.at


Web-Design und Web-Marketing by WebAgentur Koerbler