Tripp nach Neuseeland
Südsteirische Klassikwinzer begaben sich auf Weinbau-Fachexkursion ins ferne Neuseeland.
Weshalb Neuseeland? Wozu bis ans Ende der Welt, um Weine zu trinken? Fast so, als ob es in Good Old Europe nicht genug edler Tropfen gäbe. Einer der Gründe, weshalb es unsere Klassik-Winzer ins Land des Kiwis verschlug, mag darin zu finden sein, dass Neuseeland ein noch junges, aufstrebendes Weinbauland ist, in dem man sich erst seit gut fünfzehn Jahren wirklich ernsthaft mit der Produktion von Qualitätsweinen beschäftigt. Davor schlummerte der Weinbau in Neuseeland nur so vor sich hin, obwohl die erste Weinrebe bereits 1819 vom Missionar Samuel Marsden gepflanzt wurde. Erst mit dem Einzug von europäischen Qualitätsreben wie Riesling, Sauvignon Blanc, Chardonnay bzw. Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir und Syrah wurde in den siebziger Jahren das Niveau in der Weinherstellung gesteigert. Doch Qualität hin, Qualität her, trotz vieler, vor allem in der angelsächsischen Welt bekannter Weingüter, setzt man heute noch vorwiegend auf einen Massenmarkt, der ebenfalls bedient sein will.
An die 358 neuseeländischen Weinbaubetriebe kämpfen auf einer Gesamtanbaufläche von 9.752 Hektar um ihre Kundschaft. Da mussten sich unsere Südsteirer geheurig ins Zeug legen, um nur die wichtigsten dieser Weingüter zu besichtigen, immerhin hatte man nur zehn Tage Zeit. Doch eines wurde der Reisegruppe schon bald klar: Industrie und Investment sind in Neuseeland eindeutig die Schlagworte der Zukunft. So kaufte Montana - der größte Produzent mit 40 Millionen Flaschen jährlich - erst kürzlich Corbans, die Nummer zwei mit 16 Millionen Flaschen. Mit diesem Coup hält der Weinriese nun einen Marktanteil von 60 Prozent. Schnelles Wachstum und Expansion scheinen also auch am Ende der Welt eine wirtschaftliche Notwendigkeit zu sein.
Ausgangspunkt der Rundreise war die Hauptstadt Neuseelands, das auf der Nordinsel gelegene Auckland. Im Norden der Insel befinden sich die meisten guten Weinproduzenten. Zum Start stand Babich Wines im Gebiet von Henderson auf dem Programm. Seit 1916 produziert man hier Wein. Rund eine Million Flaschen produziert die aus Dalamtien stammende Familie. Wie auch auf diesem Renommiergut zählen überall auf Neuseeland Sauvignon Blanc, Chardonnay, Riesling, Pinot Noir und Merlot zu den meist verbreitetsten Rebsorten.
Das Verhältnis Weißwein zu Rotwein beträgt 84% zu 16%. Kein Wunder also, dass die Österreicher überwiegend Weißweine zu verkosten bekamen. Fast alle neuseeländischen Weißweine sind säurebetont, enthalten wenig Textur, dafür aber fruchtig exotische Töne. Überraschend gut gefielen die Rotweine wie Pinot Noir und Merlot. Nach dem sich die Gruppe von der atemberaubend schönen Überfahrt durch die Fjordlandschaft zur Südinsel erholt hatte, erreichten sie die weltberühmte Weinregion von Marlborough. Man war gespannt, was sie auf dem Weingut Cloudy Bay erwarten würde. Dort trafen sie nämlich auf Winemaker Jason Healy, für Manfred Tement ein alter Bekannter: "Der hat mich schon einmal bei einer Sauvignon Blanc Verkostung geschlagen. Zweimal waren wir gleichauf und ein paar mal war ich vor ihm."
Bei internationalen Weinverkostungen sind die Neuseeland-Sauvignon-Blancs fast immer unter den Topweinen zu finden. Doch diese Rebe findet nicht überall in Neuseeland ideale Wachstumsbedingungen. Auf der vom mediterranen Klima geprägten Nordinsel ist es oft viel zu warm für ihn. Die kühlere Südinsel mit der Weinbauregion Marlborough behagt dem Sauvignon viel eher. Es gibt keine Region, in der sich das pikant würzige Sauvignon-Aroma so gut entwickeln kann wie hier. Und das Weingut Cloudy Bay produziert wahrscheinlich die besten Sauvignons in Neuseeland - trotz seiner Jugend: denn Cloudy Bay wurde erst 1985 (!) gegründet. Eine marginale Erscheinung ist der Rotwein. Interessante Gewächse findet man am ehesten auf der Südinsel und da den Pinot Noir.
Auf der weiteren Suche nach edlen Tropfen stießen die rot-weiß-roten Winzer auf die Familie Herzog. Die Herzogs stammen aus der Schweiz, führen ihren Betrieb nach europäischen Vorbild und verwöhnten ihre Gäste mit einem fünfgängigen Menü und der größten internationalen Weinkarte, die man in Neuseeland finden kann. Bei Winemaker Daniel Schuster stieß die Gruppe auf einen extravaganten Mann mit viel Wein- und Lebenserfahrung und österreichischen Wurzeln. Er macht Weine im Stil der 30er Jahre, sehr reduktiv. Für den Vertrieb in Europa ging Daniel Schuster ein Joint Venture mit Marchese Antinori ein. Weiter gings nach Central Otago, dem südlichsten Weinbaugebiet der Welt. Dort stieß man auf einen alten Bekannten - auf den Österreicher Rudi Bauer, der das Weingut Quarz Reef bewirtschaftet.
Er selbst ist an einem Konsortium von drei Mitbetreibern beteiligt und arbeitet neben seinem Weingut auch für Hays Lake und Peregrin als Konsulent/Winemaker. Für das hohe Zucker - Säure Verhältnis des neuseeländischen Sauvignon Blanc konnte allerdings auch er keine Erklärung finden. Nichtsdestotrotz etabliert sich der neuseeländische Qualitätswein mit all seiner köstlichen Frische immer mehr auf den Weinkarten in Europa. Für die steirischen Winzer hingegen war es eine gelungene Bestandsaufnahme und eine Bestätigung dafür, wie gut sie arbeiten. Denn auch im Land der Maoris schmeckte ihnen der mitgebrachte eigene Wein meist besser als der vor Ort verkostete neuseeländische Tropfen.