Out of Africa
Von Kapstadt, einer der schönsten Städte der Welt, unterwegs ins Weingebiet im südafrikanischen Hinterland, wo man sich ganz „out of Africa“ glaubt.
Viele Städte auf der Erde nehmen für sich in Anspruch zu den schönsten zu gehören, bei nur wenigen trifft es zu, Kapstadt verdient es durchaus mit den attraktivsten in einem Atemzug genannt zu werden. Vom Bloubergstrand genießt man eine großartige Aussicht auf die Tafelbucht, die Stadt und den Tafelberg. Optimiert wird dieser Anblick häufig durch grell leuchtende Farbtupfer, wenn Kitesurfer im Küstenbereich gerade für Action sorgen.
Der Tafelberg, ein rund 1000 Meter hohes Monument aus Sandstein, das längst zum Wahrzeichen der Stadt avancierte, ist über unzählige Routen verschiedensten Schwierigkeitsgrades besteigbar. Auch an einen bequemeren Menschenschlag hat man mit der seit 1929 in Betrieb befindlichen Seilbahn gedacht. Dabei vollbringen die Plattformen der beiden Gondeln auf einer Fahrt eine Drehung um 360°, so dass man das volle „Rundumpanorama“, ohne selbst aktiv werden zu müssen, präsentiert bekommt. Oben angekommen ist man aufs Neue fasziniert von der einzigartigen Lage dieser Traumstadt, die einem nun zu Füßen liegt. Besonders empfehlenswert ist ein Besuch hier oben in den Abendstunden, wenn die tiefstehende Sonne die See und das sich davor ausbreitende Häusermeer mit einem rötlichen Licht belegt.
Wer meint, der Tafelberg sei unter den Viewpoints das Nonplusultra, der irrt gewaltig. Denn die Stadt zeigt sich vom Lion’s Head, einem vom Tafelberg im Westen deutlich abgesetzten Spitz, noch interessanter und aufregender. Obwohl nur per pedes erreichbar, können Stadtteile wie etwa Green Point, Sea Point oder Fresnaye, die aus der Sicht des Tafelberges im Verborgenen liegen, deutlich eingesehen werden.
Seit 1910, dem Gründungsjahr der Südafrikanischen Union, hat Kapstadt die Hauptstadtfunktion verloren, konnte aber bis dato den Parlamentssitz behaupten. Die extremen sozialen Gegensätze zwischen den Schwarzen und Weißen sorgen für enorme Spannungsfelder, so dass Kapstadt, wie jede andere Großstadt in Südafrika mit einem beachtlichen Unsicherheitsfaktor versehen ist. Die politische Apartheid ist zwar bereits Geschichte, aber es wird noch mehrerer Jahrzehnte bedürfen, bis die den Schwarzen in der Vergangenheit zugefügten Wunden gänzlich vernarbt sind.
Im Umkreis von ca. 200 Kilometern um Kapstadt dreht sich landwirtschaftlich betrachtet alles um den Wein. Auf sanft gewellten, von einzelnen Ketten des Kapgebirges umrahmten Hügeln, reifen hier unter mediterranen Klimaeinflüssen Weine von Weltformat. Doch dies war beileibe nicht immer so. Denn die Anfänge des Weinbaus im Kapland reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Ernstzunehmende Fachkenntnisse konnten den eigens hierfür angeworbenen Winzern aus deutschen Landen abgerungen werden, was in der Folge zur raschen Entwicklung zahlreicher Kellereien beigetragen hat.
Eine der bekanntesten Weinrouten führt von Stellenbosch, der zweitältesten Stadt des Landes, über Fraschhoek nach Tulbagh. Hier reiht sich ein Weingut an das andere, den landschaftlichen Eindrücken zufolge zweifelt man häufig überhaupt in Afrika zu sein. Ob bei den Weinkellereien oder in den Ortschaften, überall sind die wunderbar in die Landschaft passenden kapholländischen Häuser mit ihren geschwungenen Giebeln und den reedgedeckten Dächern in beachtlicher Zahl und in hervorragendem Zustand vorhanden und leisten hiermit einen weiteren Beitrag für dieses „Out of Africa“-Empfinden.
In Franschhoek und Umgebung hat sich interessanterweise der Weinbau nach französischem Vorbild entwickelt. Hugenotten waren es, die diesen Landstrich zur sogenannten „Französischen Ecke“ erhoben hatten, was bis heute in der Namensgebung diverser Weingüter , wie „La Provence“ oder „La Brie“ seinen Niederschlag gefunden hat. Auf jeden Fall sollte man hier die Möglichkeit einer ausgiebigen Weinverkostung wahrnehmen und vielleicht bei einem Gläschen Pinotage die Tageseindrücke Revue passieren lassen.
TEXT & FOTOS: HEIMFRIED MITTENDORFER
