Stephan Zdarsky
China-Connection
Im Reich des Drachen wartet der Südsteirer Stephan Zdarsky auf frisch gefallenen Schnee, um als d e r Snowboardguru Chinas höher, weiter und vor allem stylish über den Kicker zu jumpen.
Eigentlich ist es heutzutage gar nicht so schwer zum Guru zu werden,“ lacht der 25jährige Stephan Zdarsky, obwohl für den Sohn eines Leibnitzer Lehrerehepaares alles ganz gewöhnlich begann. Nach Absolvierung der Volks- und Hauptschule in der Heimatstadt wurde er kurzerhand in die Tourismusschule Bad Gleichenberg gesteckt. Dort lernte Stephan nach strengen Regeln und Vorschriften zu leben, und bereits damals verschaffte ihm das Snowboarden den dringend benötigten Ausgleich.
Nach erfolgreichem Maturaabschluss inskribierte der Leibnitzer Überflieger an der Wiener Universität in den Fächern Handelswissenschaften und Sinologie, der Lehre chinesischer Schriftzeichen. Nach zwei Jahren des intensiven Schriftzeichenmalens jettete Stephan Zdarsky mit Hilfe eines Leistungsstipendiums kurzerhand nach China. Seine Destination: die Universität Zinan. Sechs Zugstunden südlich von Peking gelegen, ist Zinan wohl „eine der dreckigsten Städte, in der du umgeben von Smog nicht zwei Meter weit sehen kannst“, erzählt Stephan mit verzogener Miene. Welcher waschechte Südsteirer möchte schon in einer Stadt, in der Natur durch Smog ersetzt wurde und in der es mit 5,6 Millionen Einwohnern ziemlich eng zugeht, schon leben? Zdarsky jedenfalls nicht. „Zinan war die schrecklichste Zeit meines Lebens.“ Und als er kurz vor dem absoluten Breakdown stand, erlösten den ausgebildeten Snowboardlehrer die Weihnachtsferien – begleitet von einer Vision: Snowboarden in China!
Da es in ganz China zu dieser Zeit aber nur wenige Wintersportgeschäfte gab, wurden Snowboard und Ausrüstung einfach aus Österreich eingeflogen. Jetzt fehlten nur noch Schnee, Berge und das nötige Kleingeld, um die tagelange Zugreise an die sibirische Grenze zu sichern. Dorthin war er zuvor als Snowboardlehrer in die Schiregion der chinesischen High Society eingeladen worden. Von jetzt an ging es Schlag auf Schlag. Die Ideen des jungen Leibnitzers schlugen ein und schon bald ließen reiche Chinesen ihre Söhne und Töchter einfliegen, um sie von Stephan in Sachen Snowboard unterrichten zu lassen. Bereits nach wenigen Monaten wurde die ACSA, die Austrian Chinese Snowboard Association, gegründet.
Die ersten chinesischen Snowboardmeisterschaften fanden bei minus dreißig Grad in Nanshan statt. Zdarsky, welch Wunder, ging als glorreicher Sieger hervor. Die Bilder des Contests gingen um die Welt und der innovative Südsteirer gründete die erste Snowboardschule Chinas. Von nun an musste er täglich wie ein Zirkusclown seine Kunststücke vorführen. Die Kunstfertigkeit am Brett verschaffte ihm auf seiner Tour durch die zehn besten Skiregionen Chinas unzähliger Angebote. Trotzdem blieb er in Nanshan unter Vertrag und rührt seither die Werbetrommel. Von Werbespots, Interviews und Berichten auf CNN, ABC und BBC bis hin zu Lehrveranstaltungen auf chinesischen Universitäten reicht das Marketingkonzept des Überfliegers für die Einführung eines neuen Trendsports in China.
Mit der Gründung des Mode-Labels NIVIT, das so viel wie frisch gefallener Schnee bedeutet und für funktionelle, im Retro-Style designte Snowboard- und Freizeitbekleidung steht, schaffte sich Stephan Zdarsky ein zweites Standbein in China und „hoffentlich bald auch auf der ganzen Welt“, wie er mit funkelnden Augen gesteht. „Trotzdem sollen NIVIT-Klamotten nie zur Massenware werden,“ meint der Jungunternehmer. Deshalb lehnte er bereits auch Angebote großer Sportartikelhersteller dankend ab. Doch ohne Connections läuft das Geschäft auch im fernen Osten nicht. Mit einem Textilmagnaten als Snowboardschüler fand Stephan den richtigen Sponsor und Gönner im Anfangsstadium seiner unternehmerischen Laufbahn. „Mein Leben hat sich jetzt um 180 Grad gewendet.“
„Zur Zeit ist es mein Ziel, mich so lange wie möglich mit dem Designen und Produzieren von NIVIT-Outfits über Wasser zu halten, bevor mich die Magnaten dieser Branche bulldozen. Doch mein großes Plus ist und bleibt mein fließendes Chinesisch. Das macht mir so schnell keiner nach!“
Text: Nina-Nike Walcher