Rio de Janeiro
Unvergleichlich ist die Lage der „schönsten Stadt der Welt" am Zuckerhut. Heute zählt die brasilianische Metropole Rio über sechs Millionen Einwohnern.
Am 1. Jänner 1502 entdeckte Amerigo Vespucci die Bucht, glaubte die riesige Mündung eines Flusses vor sich zu haben und gab ihr den Namen Rio de Janeiro – Jännerfluss. Unvergleichlich ist die Lage der gleich- namigen „schönsten Stadt der Welt", heute eine Metropole mit über sechs Millionen Einwohnern, an der Bucht von Guanabara gelegen, eingesäumt vom Zuckerhut, einem 394 m hohen Granitfelsen. Das Stadtbild wird vom Corcovado (704 Meter) überragt, auf dessen Gipfel eine 38 Meter hohe Christusstatue mit ausgebreiteten Armen den Besucher willkommen heisst. Eine Hügelkette trennt das Stadtgebiet in zwei Teile: dem entlang der Atlantikküste liegenden Stadtteil Süd-Rio mit seinen legendären Bezirken Ipanema und Copacabana und dem nördlichen Teil mit dem historischen Stadtzentrum und den neuen Stadtteilen. Von 1763 bis 1960 war Rio die Hauptstadt Brasiliens. Schon im 17. Jahrhundert war die Siedlung mit damals 4000 Einwohnern einer der wichtigsten portugiesischen Stützpunkte. Es folgte ein unaufhörlicher Zuwanderungsboom, bereits 1891 zählte die Stadt eine halbe Million und 60 Jahre später 3 Millionen Einwohner. Die Stadtplanung konnte mit dieser explosiven unkontrollierten Expansion nur schwer mithalten und täglich entstanden an der Peripherie unzählige irreguläre und illegale Siedlungen, die Favelas, Elendsviertel in denen rund ein Viertel der Menschen lebt.
Ganz anders das Stadtbild der strandnahen Gebiete. Dieses hat sich durch das Aufkommen des Massentourismus in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts stark verändert und ist heute durch zahlreiche große Hotels geprägt. Wie Perlen aufgereiht gibt es hier die wunderschönsten Strände auf 20 km Länge, allen voran der weltberühmten Copacabana. Der 4 km lange und halbmondförmige Sandstrand mit seiner Promenade „Kleine Meerprinzessin" liegt direkt am Atlantik und hatte besonders in den 1930er bis 1950er Jahren sein goldenes Zeitalter. Als Stadtteil der Bohème, des Reichtums und des Glanzes ist die Copacana Thema von vielen Büchern, Bildern und Musikstücken. Noch heute ist die Lebenslust der Menschen in Rio hier am meisten spürbar. Knappest bekleidete Strandschönheiten ölen ihre dunkelbraunen Körper und braten in der südlichen Sonne. Abkühlung bringt die angenehm kühle Atlantikbrise, seltener die empfindlich kühle Atlantiktemperatur, obwohl hier das Meer ruhiger ist und das Wasser glasklar. Am Strand von Ipanema, von der Copacabana durch einen Felsvorsprung getrennt, ist dagegen „wildes Wasser" und hier ist das Baden auch nicht ungefährlich. Doch es ist nicht nur das einzigartige Panorama von Rio, das jährlich Millionen Touristen anzieht, sondern vor allem auch der Karneval. Die Vorbereitungen dauern das ganze Jahr über und sind so auch sinnvolle Beschäftigung für viele. Von den Tribünen mit Platz für 60.000 Zuschauer umsäumt ist das Sambodromo der Schauplatz für den Wettstreit der Sambaschulen Rios. Farbenprächtig wälzt sich die Parade, von lauten Sambarhythmen begleitet, durch die 700 Meter lange Arena, vorbei an der strengen Jury, die Choreografie, Kostüme und Originalität bewertet. Und das einst aristokratische Fest ist heute ein Fest des Volkes, das alle gesellschaftlichen Schichten einigt.
TEXT & FOTOS: PETER PHILIPP