Sankt Petersburg
St. Pieterburch, Petrograd, Leningrad – alles Namen der russichen Stadt Sankt Petersburg, die auf eine wechselvolle, 300jährige Geschichte zurückblickt.
Eine Stadt, die erst vor kurzem den 300. Geburtstag feierte, mag für europäische Kulturbegriffe als jung gelten. Aber St. Petersburg, auf dem Reissbrett geplant und 1703 gegründet, hat dennoch im Laufe ihrer kurzen Geschichte ein wahres Wechselbad zwischen prunkvoller Zarenresidenz und Zeiten des Niedergangs erlebt. Ihre Entstehung wurde in der Zeit des Nordischen Krieges (1700-1721) mit Hilfe von Leibeigenen und Zwangsarbeitern, von denen 100.000 ihr Leben in den Newa-Sümpfen verloren, schnell vorangetrieben. Namhafte (ausländische) Architekten verpassten der anfangs St. Pieterburch genannten Stadt in kurzer Zeit ein strahlendes Antlitz. Schon zum Ende des 18. Jahrhunderts war sie nicht nur eine der schönsten, sondern mit mehr als 250.000 Einwohnern auch eine der grössten europäischen Städte.
Nach Ausbruch des 1.Weltkrieges wurde St. Petersburg zu Petrograd russifiziert, und schon drei Tage nach dem Tod Lenins auf Antrag der Parteiführung in Leningrad umbenannt. Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 stimmte das Volk wieder für den alten Namen St. Petersburg. Im 19. Jahrhundert entstanden im Volk unter der Herrschaft der Romanow-Zaren große Spannungsfelder, ein Aufstand 1825 wird niedergeschlagen. Zum Ende des Jahrhunderts strömt marxistisches Gedankengut in die Stadt, 1905 kommt es zu einer friedlichen Demonstration vor dem Winterpalast, die mit circa 1000 Toten blutig aufgelöst wird. Der 1.Weltkrieg, Hunger, Terror und Bürgerkrieg haben bis 1920 die Einwohnerzahl von 2,5 Mill. auf 700.000 dezimiert.
Im 2. Weltkrieg blockieren die deutschen Truppen 900 Tage Leningrad und wollen die Stadt aushungern. In diesen Tagen beginnt auch ein Krimi der besonderen Art: aus dem Katharinenpalast wurden die kostbaren Wandverkleidungen des Bernsteinzimmers, ein Geschenk von Wilhelm I. an Zar Peter den (auch physisch) Grossen, nach Königsberg verschleppt. Die Spur nach dem Verbleib des Zimmers verlor sich und der Kurator der Königsberger Kunstschätze, Alfred Rohde, nahm sein Geheimnis 1945 mit ins Grab. Das restaurierte Bernsteinzimmer wurde zur 300-Jahrfeier wieder feierlich eröffnet und ist nun wieder für Touristen zugänglich. Heute ist St.Petersburg mit 4,5 Millionen Einwohnern die nördlichste Millionenmetropole der Welt und ihre Innenstadt zählt zum Welterbe der UNESCO. Breite Boulevards wie die Prachtstrasse der Newskij-Prospekt führen vorbei an prunkvollen Palästen mit vergoldeten Kuppeln. Die vielen Kanäle und Brücken rechtfertigen die Bezeichnung „Venedig des Nordens“. Die Petersburger bezeichnen ihre Stadt als „Hauptstadt der Kultur“. Weltberühmte Komponisten wie Tschaikowsky, Schachspieler wie Karpow, Literaten wie Puschkin lebten in ihrer Stadt. Die Eremitage, Museum von Weltgeltung, war ursprünglich Privatsammlung der Zaren und beherbergt heute über 2,7 Millionen Kunstgegenstände, darunter Bilder aller weltweit bedeutenden Maler. Zum Grössenvergleich: man müsste fünf Jahre lang täglich eine Führung mitmachen, um das ganze Museum zu erkunden!
Seit dem Gastspiel des weltberühmten Marinski-Theaters,
des Kirow-Balletts und des Dirigenten Valerie Gergiev in der europäischen Kulturhauptstadt 2003 haben die Petersburger auch intensive freundschaftlicheBeziehungen zu Graz geknüpft. Nicht zuletzt ausgezeichnete Restaurants und Bars runden das touristische Angebot der Stadt mit dem Gesamtprädikat „sehenswert!“ ab.
Text & Fotos: Peter Philipp
Azoren
Malta und Gozo
Petersburg
Seychellen

