Heinrich Meisl

Herr der Farben

Die Südsteiermark und die hier lebenden Künstler - das ist eine außergewöhnliche Liebesbeziehung. Einer von ihnen, Heinrich Meisl, lebt und malt seit Jahren in Gamlitz. Story: Henry Sams.

 

Skizzen einer großen Leidenschaft: Was der steirische Künstler Heinrich Meisl mit der Landschaft der Südsteiermark anstellt, sprengt die Grenzen und Konventionen der naturalistischen Malerei. Mit seinen Werken begibt sich der Künstler auf eine Entdeckungsreise in die Tiefe des Bildraums, fokussiert das Motiv, schafft einen ersten Zustand, eine Momentaufnahme könnte man meinen, ehe er das so gewonnene Bild in eine neue Situation einarbeitet.

 

Seine Schöpfungsenergie wird zum Perpetuum mobile. Die so geschaffenen Ergebnisse sprengen herkömmliche Wahrnehmungsmuster vor allem von themenbezogener Landschaftsmalerei und Seherfahrungen. Dennoch sind Heinrich Meisls Bilder keine absolute Erfindung, sie sind vor allem ein Ausdruck an künstlerischer Souveränität, die auch anerkannte Kunstkritiker im In- und Ausland überzeugt und Meisl die Türen renommierter Galerien öffnet. Seine Bilder erzielen bereits sechsstellige Schillingpreise.

 

Heinrich Meisl wurde 1949 in Weiz in der Oststeiermark geboren und studierte in Graz Psychologie. Bereits während seiner Studienzeit beschäftigte sich Meisl mit der Malerei, entwickelte eine unstillbare Neugier für die Aquarelltechnik und fand bald zahlungskräftige Kunstfreunde, die großen Gefallen an den gegenständlichen, naturalistischen Landschaftsbildern fanden. Ohne Zwischeninstanzen wie die Ausübung seines abgeschlossenen aber nicht beendeten Studiums oder eines Praktikums hat sich dann Heinrich Meisl im Jahr 1978 zum Unternehmer in eigener Sache gemacht, um fortan sein Brot als frei schaffender Künstler zu verdienen. Das Mitglied der Berufsvereinigung bildender Künstler Österreichs und der Künstlervereinigung Yin-Yang zog es 1997 mit seiner Ehefrau Elfriede Meisl, einer Pharmazeutin, nach Gamlitz. Während dort Heinrich Meisl seiner Arbeit als Künstler nachgeht, führt seine Frau die Urbani-Apotheke. Und so verschieden die Antriebskräfte dieser beiden Menschen in Gamlitz auch sind - im Hause des Ehepaars ordnet sich alles zum Bild. Die Architektur und das Interieur schaffen eine Einheit und spiegeln zuverlässig den pekuniären Erfolg des Künstlers und der sympathischen Apothekerin.

 

Schon lange hat sich Heinrich Meisl von der klassischen Landschaftsmalerei verabschiedet, die Aquarellfarben in die Ecke gestellt; er arbeitet heute vorwiegend mit Acryl auf Leinen. Die Vision vom Ende der Befreiung der Malerei vom Gegenstand hat sich der Künstler gern erfüllt: "Die Aquarellmalerei hat mir geholfen, sehen zu lernen und die Schönheit des Landes zu entdecken." Die zeitgenössische moderne Art zu arbeiten ist für den Künstler aber eine bewusste Konstruktion der Abstraktion und erfordert vom Betrachter nicht nur ein kompetentes Kunstverständnis, sondern auch die nötige geistige Energie des Begreifens. Es gibt keine Empfindungen vom Vergehen der Zeit, der Zyklus der Jahreszeiten wird zum Ist-Zustand und dadurch für Heinrich Meisl zu einer titanischen Aufgabe, die es immer wieder auf's Neue zu erschaffen gilt.

Heinrich Meisl, c/o Urbani-Apotheke, Gamlitz.

 

Atelierbesuch nach tel. Vereinbarung möglich (03453/7322).

www.meislheinrich.com

 


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