Gipfelträume
Vier Gamlitzer erklommen den höchsten Gipfel Österreichs.
Von diesem Großglockner-Abenteuer berichtet Gerald Posch.
Ganz ehrlich – wer hat noch nicht davon geträumt, auf dem höchsten Gipfel Österreichs – dem Großglockner zu stehen. Diesen Traum erfüllten wir uns im September dieses Jahres: Wir, das sind Hans Zweytick, Erwin Schmidt, Manfred und Gerald Posch, alle aus Gamlitz.
Nach dem Motto „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur eine schlechte Ausrüstung“ investierten wir viel Geld in diese. Endlich war es soweit, der „point of no return“ war erreicht. An einem Samstag packten wir unsere Rucksäcke und machten uns auf den Weg vom Lucknerhaus über die Lucknerhütte zur Stüdlhütte, um uns auf 2802 m Seehöhe mit dem Bergführer Andreas über die weitere Vorgangsweise zu beraten. Mit einem „Manda, pack ma´s“ marschierten wir auch schon Richtung Ködnitzkees. Nach kurzer Wanderung erreichten wir den Gletscher. Was bis dahin noch wie ein Wandertag aussah, änderte sich sofort, denn Andreas hing uns alle ans Seil – „wegen der Gletscherspalten“. Denn um auf die Erzherzog-Johann-Hütte, im Volksmund auch Adlersruhe genannt, zu gelangen, mussten wir einen 35° steilen, vertikal zu bewältigenden Aufstieg über den Gletscher hinter uns zu bringen.
Danach der erste Schock bei unserem Bergkamerad Hans, als er sah, dass es in die Felswand ging. Obwohl noch nicht geklettert werden musste, war der Respekt doch enorm. Sicher und ohne Zwischenfälle haben wir dann die in 3451 m Höhe gelegene Erzherzog-Johann-Hütte erreicht. Erwin, Manfred und ich fühlten uns körperlich noch topfit, doch Hans machte der steile Anstieg, die dünne Luft, vor allem aber „sein Alter“ sehr zu schaffen. Es war uns nun klar, dass der Gipfelsturm erst am nächsten Morgen versucht werden konnte. Nach unruhigem Schlaf im Matratzenlager und 10 cm Neuschnee starteten wir kurz vor 7 Uhr früh unsere Expedition. Bereits in der Hütte legten wir die Steigeisen an und nach kurzem Gehen erreichten wir das 40° steile Glocknerleitl.
Der Adrenalinspiegel stieg an, die Nerven waren gespannt, gedankenversunken, aber total konzentriert stapften wir im bereits 20 cm hohen Neuschnee himmelwärts. Jeder Tritt, jeder Schritt musste gut gesetzt werden. Zwischendurch öffnete sich der Himmel und die Sonne kam durch. Über das extrem steile und enge Glocknerschartl geht es senkrecht hinunter in die Palavicini-Rinne. Jetzt war noch ein kurzer, steiler Aufstieg vor uns und endlich war es geschafft – das Gipfelkreuz in 3798 m Seehöhe – die Erfüllung eines Traumes, ganz oben stehen, schauen, atmen, leben. Die Glückshormone schossen ein und Erwin hatte Tränen in den Augen. Vor lauter Freude, aber auch Erleichterung fielen wir uns gegenseitig um den Hals und feierten diesen Gipfelsieg mit einer Flasche Morillon vom Weingut Karl Strauß – ein hervorragender Tropfen, aber hier schmeckte er außergewöhnlich gut – so wie dieser Tag.