Gerti Pils

Die Banker-Lady

 

Die Leibnitzerin Gertrude Pils ist bei der Bank Austria für das internationale Controlling, die Auslandsniederlassungen und für weltweit 3200 Mitarbeiter verantwortlich. Eine Erfolgsstory.

 

Es gibt wahre Hochseilartisten wie Gertrude Pils, die auch die höhere Mathematik mit Virtuosität beherrschen. Wo andere vor scheinbaren Abgründen längst w.o. geben, tänzelt die Banker-Lady mit Anmut von Zahlengeflecht zu Zahlengeflecht. Und was den meisten Amateuren oft als undurchdringliches Knäuel von Ziffern und Formeln erscheint, ist für die Leibnitzerin ein dicht geknüpftes Netz mit festen Knoten, auf dem sie sich sicher bewegt. "Mathe war schon immer mein Lieblingsfach. In der Mittelschule in Leibnitz hat dies mein Mathelehrer Direktor Plankensteiner erkannt und gefördert." Gerti Pils beginnt 1973 nach der Matura mit dem Studium der Technischen Mathematik. Nach der Promotion zum Diplomingenieur bekommt sie 1980 sofort einen Job bei der Firma Siemens in Graz. Ihr Aufgabengebiet ist die Softwareentwicklung. Dies ist freilich nur ein Anfang. Nur drei Jahre später engagiert die Merkur-Versicherung die sympathische Südsteirerin. Hier orientiert sie sich immer mehr im Bereich Controlling. Eine Erfahrung, die ihr heute besonders zugute kommt.

 

Dipl.-Ing. Gertrude Pils wechselt 1990 mit ihrem Ehemann Walter Pils, einem gebürtigen Leibnitzer und internationalen Schachmeister, von Graz nach Wien in die ehemalige Länderbank. "Dieses Angebot kam mir gerade recht." Denn das Traditionshaus erkennt sofort die Qualitäten der Leibnitzerin und beauftragt sie mit der Neuorganisation des internationalen Controllings für die Niederlassungen in London, New York und Hongkong. "Der neue Job war für mich alles andere als langweilig." Während dieser Zeit meistert Pils mit Bravour einige Bewährungsproben der Länderbank ehe sie 1991 nach der Fusion mit der Zentralsparkasse zur Bank Austria die Verantwortung für den Aufbau und das Controlling des Auslandsgeschäftes übertragen bekommt. Innerhalb weniger Jahre positioniert sich die Bank Austria unter Gertrude Pils zum führenden Geldinstitut in Zentral- und Osteuropa.

 

Das Wiener Büro in der Bank tauscht die ehemalige Turniertänzerin und mehrmalige Staatsmeisterin in den Standard- und Lateinamerikanischen Tänzen immer mehr mit den Businesskabinen der großen Airlines, sie ist ständig unterwegs. Im Steigflug wird die Welt erobert und Gertrude Pils landet regelmäßig in den Metropolen Europas, Asiens, Nord- oder Südamerikas - in Tokio ebenso wie in Peking, Singapur, Sao Paulo, Moskau oder in London und New York. "Die Umsetzungsgeschwindigkeit eines Auslandprojektes ist ein wichtiger strategischer Faktor. Die persönliche Anwesenheit vor Ort ist daher für mich von großer Bedeutung."

 

Das quantitative Wachstum der Bank Austria wird in all diesen Jahren von qualitativen Höchstleistungen begleitet und findet 1998 für Dipl.-Ing. Gertrude Pils höchste Anerkennung in Form der Ernennung zur Direktorin und Leiterin des Ressorts Ausland und Internationales Controlling für die Bank Austria und die Creditanstalt. Damit wird sie Chefin über 3200 Mitarbeiter im Ausland und ist verantwortlich für ein Geschäftsvolumen von sage und schreibe rund 300 Milliarden Schilling.

 

Die Fusion der beiden Geldriesen Bank Austria und Hypo-Vereinsbank München ist für Gertrude Pils eine neue Herausforderung. Derzeit pendelt sie im Flugzeug oft mehrmals in der Woche zwischen Wien und München und gestaltet maßgeblich die Integration der Bank Austria in die bayrische Mutterbank mit. "In diese Richtung gibt es für mich noch viel Arbeit zu tun." Das Controlling und das Auslandsgeschäft wird sie weiterhin betreuen - in welchem Ausmaß wird sich aber erst entscheiden.

 


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