Franz Semmernegg
Der gebürtige Arnfelser Franz Semmernegg hat es bis an die Spitze der heimischen Telekommunikationsindustrie geschafft. Heute ist er Vorstandsvorsitzender der Schrack BusinessCom AG.
Management Buy Out - das ist die Übernahme eines Unternehmens durch die eigenen, führende Mitarbeiter. Dr. Franz Semmernegg, ein waschechter Südsteirer, kann zu diesem Thema viel erzählen. Immerhin war er es, der vor drei Jahren für eines der spektakulärsten Management Buy Outs der österreichischen Wirtschaftsgeschichte verantwortlich zeichnete. Heute ist der aus Arnfels stammende Franz Semmernegg Vorstandsvorsitzender der aus dieser Übernahme hervorgegangenen Schrack BusinessCom AG.
Datennetzwerke und klassische Nebenstellenanlagen für das Telefonfestnetz sind das Hauptgeschäftsfeld des Unternehmens. Der Kundenstock umfasst 14.000 Geschäftskunden. Das heißt: Jeder vierte Businesskunde in Österreich ist mit einer Kommunikationsanlage ausgestattet, die von Schrack beliefert und betreut wird. Mit 520 Mitarbeitern, davon 300 Servicetechnikern, erzielte Schrack im Vorjahr einen neuen Rekordumsatz von einer satten Milliarde Schilling und belegt damit hinter Siemens Platz zwei in diesem heiß umkämpften Marktsegment.
Nicht ganz so rosig sah es im Jahr 1998 aus, als die heutige Schrack Business Com noch das Geschäftsfeld 'Enterprise Business' (Firmenkunden) innerhalb des Telekommunikationsriesen Ericsson Austria war. Bei Ericsson war man mit der Entwicklung und den Ergebnissen dieses Geschäftsfeldes nicht gerade glücklich und wälzte Sanierungskonzepte. Unter anderem erwog man sogar den Verkauf des Sorgenkindes. Zu diesem Zeitpunkt kam Franz Semmernegg ins Spiel. Er stand damals bei Ericsson auf der Gehaltsliste und gehörte wie sein heutiger Partner Stefan Gubi jener Arbeitsgruppe an, die an einer Lösung für den maroden Geschäftsbereich werkte. Aber nachdem alle möglichen Lösungsvorschläge für eine sinnvolle Umgestaltung des Problembereichs von Ericsson verworfen worden waren, reifte in Semmernegg der Plan, es auf eigene Faust zu versuchen. Gemeinsam mit Stefan Gubi, der zu diesem Zeitpunkt als Geschäftsführer der Ericsson Vertriebs GesmbH tätig war, erarbeitete er einen Businessplan. Erste Gespräche mit den Ericsson-Verantwortlichen über einen möglichen Kauf sollten alsbald folgen.
Und die Chancen für Doc Semmernegg und Partner Gubi standen im Sommer `98 nicht schlecht. Man hatte den beiden von Seiten Ericssons gerade signalisiert, dass man von der Idee eines Verkaufs an die beiden nicht abgeneigt sei. Ihr Unternehmenskonzept hatten also überzeugt. Allerdings standen die beiden Durchstarter zu diesem Zeitpunkt noch vor einem 'kleinen' aber nicht unwesentlichen Problem: der Kapitalbedarf für die Übernahme belief sich auf 700-800 Millionen Schilling. Für die nötige Bankgarantie hatten die beiden gerade mal zwei Wochen Zeit.
Wahrscheinlich muss sich einer sein ganzes Leben darauf vorbereitet haben, wenn er sich dazu entschließt, einem Kommunikationsriesen wie Ericsson Austria ein komplettes Geschäftsfeld abzukaufen. Eine jede Menge Know-How und viel Mut waren also gefragt, als es darum ging, diesen Mega-Deal vorzubereiten und letztendlich auch durchzuziehen.
Vom Thema Management Buy Out war der in Arnfels groß gewordene Franz Semmernegg allerdings schon während seines BWL-Studiums an der Uni Graz fasziniert. So sehr sogar, dass er auch seine Doktorarbeit zu diesem Phänomen, das vor allem in den 80er und 90er Jahren immer wieder für Furore in den internationalen Wirtschaftsschlagzeilen sorgte, verfasst hat.
Danach ging es schnurstracks nach Wien, wo er sich der promovierte Betriebswirt eine fundierte Weiterbildung im Wirtschaftstreuhandbereich holte. Unternehmensbewertungen und Sonderfinanzierungen zählten während seiner Zeit bei der renommierten Wiener Wirtschaftskanzlei Nidetzky zu seinem täglichen Brot. "Oft waren die Bewertungen wie die Obduktion einer Leiche, da konnte man unglaublich viel lernen," schwärmt Semmernegg noch heute mit einem makabren Unterton von seinen Lehrjahren. Bezahlt haben sie sich auf jeden Fall gemacht, denn der Schrack-Deal verlief nach Plan. Und die Millionen zur Finanzierung kamen von der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich unter deren General Ludwig Scharinger. Der spricht heute von einem der erfolgreichsten Investments seines Bankhauses.
Doch Semmernegg und Gubi sind längst unterwegs zu neuen Taten. Nach der kartellrechtlichen Genehmigung, die Anfang März 2001 erteilt wurde, werden die Kapsch AG und die Schrack BusinessCom AG in Zukunft gemeinsame Wege gehen. Aus dem Hauptgeschäftsfeld Corporate Networks der Kapsch AG wird der Bereich "Enterprise Networks" (Kommunikationslösungen für Unternehmen) in die Schrack Business Com eingebracht. Im Gegenzug beteiligt sich die Kapsch AG mit 74 Prozent an der Schrack BusinessCom. Es entsteht durch diese Allianz ein rein österreichisches High-Tech-Unternehmen mit rund 700 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 1,5 Mrd. Schilling. Semmernegg und Gubi werden 25% des durch diese Fusion hervorgegangenen Unternehmens halten und weiterhin die erfolgreichen Geschäfte führen.