Evelyn Fauth
Tennis total
Ihre größten Schlagzeilen schrieb Evelyn Fauth Ende April dieses Jahres, als sie unter Mithilfe von Barbara Schett beim Fed Cup, dem Davis Cup der Frauen, in Charlotte (North-Carolina), die US-Tennisdamen Capriati und Seles in die Knie zwang. „Es war ein wahnsinnig tolles Gefühl als kleine Österreicher gegen die seit 18 Jahren ungeschlagene USA zu gewinnen. Zwar brachte uns der Ausfall von Jennifer Capriati einen Gratis-Punkt, doch die restlichen haben wir uns hart erkämpft“, freut sich die sympathische Weststeirerin.
Die Bälle schmettert Evi – wie sie von ihren Freunden genannt wird – bereits seit ihrem sechsten Lebensjahr zielorientiert über das Netz. Es folgten kleinere Turniere, die Mitgliedschaft im Steirischen Tennisverband und schließlich kam alles wie es kommen musste. Nach einem Jahr Handelsschule schmiss sie die Bücher an die Wand und konzentrierte sich auf das, was sie wirklich machen wollte, nämlich Tennis spielen. „Ich hatte großes Glück, dass ich von meinen Eltern absolut unterstützt wurde. Sie ermöglichten es mir, dass ich ab meinem 16 Lebensjahr professionell mit einem eigenen Trainer spielen konnte.“ Um nicht von ihrer Umgebung abgelenkt zu werden, übersiedelte Evelyn damals für drei Jahre nach Innsbruck, wo sie technisch den letzten Schliff erhielt. Mit ihren 1,68 Meter ist das aus St. Peter im Sulmtal stammende Tennisass unter den anderen Girls – Maße um die 1,80 Meter sind keine Seltenheit - keine wirkliche „Größe“. Doch dieses Manko gleicht sie spielerisch durch ihre Schnelligkeit und durch ihre ausgezeichnete Konzentrationsfähigkeit aus. „Ich bin keine „Reißerin“ die sofort den Sprung an die Spitze schafft. Ich kämpfe um jeden Weltranglistenpunkt, um jede Qualifikation und um jedes Match. Ich bin wie ein Hamster, der alles einsammelt, was er bekommen kann.“
Zur Zeit steht die 25-jährige auf Platz 120 der Weltrangliste. Ein Platz unter den Top 100 ist ihr nächstes Etappenziel. An das Leben aus dem Koffer hat sie sich schon lange gewöhnt. Hotels und Absteigen kennt sie auf der ganzen Welt. „Man weiß nie, wo man nächste Woche sein wird, weiß zuvor nie, welche Spielerinnen man trifft und wann man wieder seine Sachen packen und nach Hause fliegen kann.“ Eine Beziehung hat da kaum Platz in ihrem Leben. Froh hingegen ist das Energiebündel über den Zusammenhalt im österreichischen Damenteam. „Wir sind Freundinnen, die alle im selben Boot sitzen. Intrigen und Neid wie bei vielen anderen Nationen gibt es bei uns nicht.“
Als nächstes steht bei Evelyn ein Trainerwechsel am Programm. So wird sie sich von ihrem jetzigen Coach Martin Grussmüller verabschieden und sich weiter vom St.Martiner Andreas Leber trainieren lassen. Dieser wird sie auch auf ihre bevorstehenden Grand Slam-Turniere in Wimbledon und bei den US-Open vorbereiten. „Auf Amerika freue ich mich schon besonders. Nirgendwo sonst ist das Publikum so toll wie dort. Denn während in Österreich die Tribünen leider fast leer bleiben, kommen die Amis in Scharen zu den Turnieren gelaufen und leben jedes einzelne Spiel mit Begeisterung mit.“ Wie groß diese Publikumsmotivation sein kann bewies der Fed Cup.
B. Waltl