Bundesministerin Elisabeth Gehrer
Urlaub in der Südsteiermark (box 3/01)
Politiker sein, so denken im Grunde viele, ist wohl ein undankbarer Beruf. Abgesehen vom - doch sehr geringen - Risiko, von einem politischen Gegner, den man niedergemacht hat, hinterrücks erdolcht zu werden.
Bundesministerin Elisabeth Gehrer hat in der Politszene einen Ruf wie Donnerhall: Bewunderer und Neider, vergrätzte Gewerkschafter und begeisterte Wähler. Seit 1995 Regierungsmitglied sind ihre Zuständigkeitsbereiche die Bildung, Wissenschaft und Kultur. Elisabeth Gehrer, von Freunden Liesl genannt, tankt in ihrer kargen Freizeit die Energie im Kreise der Familie auf. Zunächst der Liebe, dann der reizvollen Weinlandschaft wegen hat es die Ministerin in ihrem Urlaub nach Kitzeck verschlagen.
Gemeinsam mit ihrem Ehemann Fritz Gehrer - sie sind Eltern von drei erwachsenen Söhnen - wird im Sommer im Weingut von Georg und Elisabeth Lambauer ausgespannt. Die Ministerin spart nicht mit Komplimenten. "Wir wandern sehr gerne und da ist Kitzeck ein idealer Ort, Hügel auf, Hügel ab - wenn man hier keine Kondition bekommt, wo dann?", um dann unisono die hohe Qualität der südsteirischen Winzer zu loben: "Ich hab' halt gern einen spritzigen, herben Weißwein wie den fruchtigen Welschriesling vom Lambauer mit seiner rassigen Säure." Man könnte bald meinen, ihr Geschmack trifft ihre Wesenszüge.
Die sympathische ÖVP-Mandatarin entpuppt sich schnell als wahre Weinkennerin mit einer fantastischen Nase, erschnüffelt professionell im Glas die verschiedenen Fruchtkomponenten. Da bekommen selbst die Roten ihre Chancen wie der Zweigelt Select vom Lambauer: "Dieser Rote gehört vernichtet," schmunzelt die Frau Minister und setzt das Glas zum Zug an. Sie reagiert empfindlich auf alle möglichen Gerüche. So gibt es als kleine Aufmerksamkeiten für ihre Mitarbeiter im Büro Rasierwasser, denn "ich will gut riechende Männer um mich haben." Mit Schaudern erinnert sie sich an einen Besuch im Vatikan, an eine Begegnung mit spanischen Würdenträgern: von ihren schweren Roben ging ein unappetitlicher Gestank von Weihrauch und Mottengeruch aus. "Einfach fürchterlich. Da freue ich mich doch wahnsinnig, wenn ich in einem Weingarten die Blütezeit erleben darf."
Die Liebe zu gutem Wein liegt bei den Gehrers in der Familie. "Mein ältester Sohn Michael hat sich in Natters in Tirol einen wohl sortierten Weinkeller angelegt und mein anderer Bub, der Christian, ist ein anerkannter Sommelier." Der dritte im Bunde, Stefan Gehrer, ist österreichweit als ORF-Moderator bekannt und hat sich in der niederösterreichischen Heurigengegend niedergelassen. Und die Frau Minister zieht es nach Kitzeck. "So, heute werden wir zum Schauweingarten von August Schneeberger wandern, denn wir müssen was für unsere Figur tun", lacht Liesl ihren Mann an und freut sich auf das gute Glas Wein am Abend. H.S.