Bern Ertl
Ausgezeichnet.com
Der gebürtige Gamlitzer Bernd Ertl entwirft in Wien Storyboards und Layouts für internationale Werbefilme. Sein Tenor: „Nur in der Stadt kann ich arbeiten.“
Dass ein gebürtiger Gamlitzer die Kampagnenentwürfe für das amerikanische Nationalgetränk „Dr Pepper“ gestaltet, hätte sich vermutlich auch Forrest Gump nicht träumen lassen, dem das Gebräu einen stilvollen Rülpser ins Antlitz des US-Präsidenten entlockte. Bernd Ertls Kundenliste liest sich wie ein Who´s Who der Werbeindustrie: BBDO Düsseldorf, Lowe Zürich, Mc Cann Erickson Vienna, Ogilvy & Mather Frankfurt, Young & Rubicam New York. Keine kleinen Fische, die sich von dem 1971 geborenen Wahlwiener seit mehr als einem halben Jahrzehnt mit Storyboards und Illustrationen beliefern lassen. „Ja, es läuft gut“, meint Bernd Ertl lächelnd. Der Grafiker ist in einer kleinen, aber lukrativen Marktnische zu Hause: für Werbefilme und PR-Kampagnen entwirft er Storyboards, auf denen Inhalt und Ablauf der zu drehenden Szenen skizziert werden – quasi eine Art Comic-Version des späteren Films.
Mit den Routinejobs des grafischen Gewerbes – Bild- und Fotobearbeitung, Gestaltung von Inseratensujets und Zeitungssatz – hat Ertl nicht einmal am Rande zu tun. Schon während seiner Ausbildung an der Höheren Grafischen Lehranstalt in Wien wurde ihm klar, dass es ihn künstlerisch in eine andere Richtung trieb. „Layouts und Storyboards sind spannender, weil sie einen größeren Bogen spannen“, sagt Ertl, der einen neuen Entwurf zunächst mit einer Skizze auf Papier beginnt. „Die wird dann in den Computer eingescannt und dort weiterbearbeitet und coloriert. Der Computer ist ein geniales Werkzeug für mich“, erklärt er. „Trotzdem habe ich mir kürzlich eine Staffelei gekauft. Ich möchte einfach einmal wirklich malen, in Arcyl.“
Über zehn Jahre ist es nun schon her, seit es ihn von Gamlitz nach Wien verschlagen hat, mit kurzen Zwischenstopps in Princeton, England, wo er ein Jahr Illustration studierte, und Australien. „Dort wäre ich fast geblieben, hätte fast geheiratet“, erinnert er sich. „Aber richtig auszuwandern ist etwas anderes als nur eine bestimmte Zeit an einem Ort zu bleiben“, sagt Ertl, der mit seiner Lebensgefährtin Almut Schilhan mittlerweile die beiden Buben Felix (4 Jahre) und David (19 Monate) großzieht.
Warum er sich als Steirer nicht in Graz niedergelassen hat? Nach seinem Zivildienst Mitte der 90er-Jahre spielte er kurz mit dem Gedanken, verwarf ihn aber recht schnell. „Man braucht eine Stadt mit einer gewissen Größe, um in diesem Job überleben zu können“, erklärt Ertl. Es gibt nur vergleichsweise wenige Agenturen, die ständig Layouts und Storyboards benötigen – und die sind vorzugsweise in den Ballungszentren zu finden. „Wien hat einfach einen Sog. Man lebt sich ein, und dann bleibt man. In der Steiermark hätte ich keine Zukunft gehabt.“
Außerdem: als Fan des dauerhaften Landlebens versteht sich Ertl ohnehin nicht, auch wenn er an den Wochenenden gerne in seiner Heimatgemeinde vorbeischaut. Die Steirer, so Ertl, sind zwar herzenswarme Menschen, die große, weite Welt ist dem Ex-Gamlitzer trotzdem lieber.
Text: Chris Haderer • Illustrationen: Bernd Ertl
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