Baukultur

Der Leibnitzer Architekt Max Stoisser hat sich mit dem Umbau eines alten Wirtschaftsgebäudes einen Wohntraum erfüllt – eine spannungsreiche Mischung aus Alt und Neu.

 

Hausbau und avandgardistische Architektur? Noch vor 20, 30 Jahren hätte diese Konstellation Unverständnis hervorgerufen. Kaum ein „Häuslbauer“ wäre auf die Idee gekommen, einen namhaften Architekten mit dem Neubau seines Einfamilienhauses zu beauftragen. Nicht nur der Kosten wegen, sondern auch aus praktischen Erwägungen. Denn private Wohnprojekte galten lange in erster Linie als Zweckbauten nach funktionalen und nicht nach ästhetischen Gesichtspunkten. Der Leibnitzer Architekt Dipl.-Ing. Max Stoisser stellt heute nach wie vor die Funktionalität eines Baues in den Vordergrund, inzwischen hat aber die Avantgarde auch die konservative Wohnbau-Architektur als unverbrauchtes Schaffensgebiet für sich entdeckt und so die Qualität der Funktion wesentlich erhöht. Das gleiche gilt auch für den kommerziellen Industriebau.

 

Dipl.-Ing. Max Stoisser hat sich mit dem Umbau eines ehemaligen Wirtschaftsgebäudes am Kogelberg bei Leibnitz einen Wohntraum für sich und seine Familie erfüllt. Ein zunächst uninteressant erscheinendes Gebäude wurde dabei zu einer großen und abenteuerlichen Architekturübung. Es entstand ein Déjàvu-Erlebnis mit neuen Perspektiven, eine spannungsreiche Mischung aus Alt und Neu. Der gemauerte Teil des fast 100 Jahre alten Winzerhauses wurde ursprünglich als Stall genutzt, an den eine Holzscheune anschloss. Beim Umbau sollte der Bestand möglichst erhalten bleiben, das geometrische Volumen und die charakteristischen Baustoffe wie Holz genützt werden. Eine geniale Idee begann in Max Stoisser zu reifen – ein Bau im Bau. Die an das alte Haus angeschlossene Holzscheune wurde abgerissen und von dort aus in die alten Mauerteile des Bestandes eine Art Container in Holzbauweise eingeführt, der von der alten Ziegelwand nun wie eine Hülle geschützt wird.

 

Diese Box in der Box schafft so eine Verbindung zwischen modernem Design und der Geschichte des Gebäudes. Eine Wendeltreppe verbindet den Körper mit dem Obergeschoss, das neu adaptiert wurde. Die von der ursprünglichen Tragkonstruktion erhalten gebliebenen Balken und Stützen wurden sandgestrahlt und werden in ihrer Funktion weiterhin genützt. Um Platz für mehr Wohnraum zu gewinnen und genug Tageslicht zu erhalten ragt der Holzblock an der ursprünglichen Stelle der Scheune tief in die Natur. Glasschiebetüren ermöglichen hier einen nahtlosen Übergang auf die Terrasse und sorgen dafür, dass viel Helligkeit tief ins Innere eindringen kann. Eine zusätzliche verschiebbare Außenwand schützt bei Bedarf vor neugierigen Blicken und verwandelt den Neubau in sein altes Bild. Mit seinem Wohnhaus hat Dipl.-Ing. Stoisser auf einfache Art und Weise die Grundsätze moderner Architektur mit der natürlichen Umgebung verschmolzen. Für diese Arbeit wurde er mit dem steirischen Geramb-Preis ausgezeichnet.

 

Nicht perfektes Design, sondern die Authentizität der Funktion formt die Kubatur des Objektes ist Max Stoissers Philosophie. Zum atmosphärischen Gestalter wird man von Innen heraus, die Lösung der Funktion ist daher erst formgebend, durch die man mitgestalten kann. Eindrucksvolle Beispiele sind seine Industriebauten wie das Fensterwerk Stabil in Vogau, Rotowash und Reifen Plankenauer in Wagna oder der Neubau der Alu-Druckgusshalle der Firma Fink in Kaindorf an der Sulm. Stoisser: „Als Architekt hat man eine Art Treuhandfunktion gegenüber seinem Auftraggeber, er will ja gute Arbeit für sein Geld haben.“ Die Einbeziehung der Natur bei all seinen Projekten ist für ihn aber nicht minder wichtig. „Damit müssen wir ebenso extrem sorgfältig umgehen.“

 

Dipl.-Ing. Max Stoisser studierte an der Technischen Universität in Graz. Bereits nach seinem ersten Studienjahr arbeitete er in renommierten Architekturbüros und sammelte seine ersten Erfahrungen. Seit nunmehr zehn Jahren ist Max Stoisser als Architekt in Leibnitz selbstständig und auch als Ortsbildsachverständiger tätig. In einer projektbezogenen Arbeitsgemeinschaft entwickelte er gemeinsam mit Dipl.-Ing. Kortschak erst kürzlich die Neugestaltung des Leibnitzer Hauptplatzes.

Text: Henry Sams

Fotos: Paul Ott, box

 


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